Das ungenutzte Gründungspotenzial europäischer Hochschulen und seine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
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Das Wichtigste in Kürze
- Europäische Universitäten könnten potenziell über 445.000 zusätzliche Start-ups hervorbringen und damit 13 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen.
- Eine aktuelle Untersuchung zeigt erhebliche Leistungsunterschiede zwischen europäischen Hochschulen bei der Generierung von Gründungen.
- Deutschland liegt im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld, was die Gründungsaktivität pro Budget angeht.
- Business Schools sind im Durchschnitt deutlich effizienter bei der Startup-Generierung als andere Hochschultypen und öffentliche Forschungseinrichtungen.
- Ein Mentalitätswandel hin zu mehr unternehmerischem Denken und bessere Zugänge zu Wagniskapital sind entscheidende Faktoren für die Steigerung der Gründungsdynamik.
// Inhalt · 4 Abschnitte
Die europäische Hochschullandschaft birgt ein erhebliches, bisher ungenutztes Potenzial für die Generierung von Start-ups und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Eine aktuelle Untersuchung, an der die Denkfabrik Alp Momentum, der Wagniskapitalgeber Redstone, die Technische Universität München und die Universität Trier beteiligt waren, beleuchtet die Diskrepanzen und Chancen innerhalb des europäischen Hochschulwesens.
Das ungenutzte Potenzial europäischer Universitäten
Die Studie analysierte die Gründungsaktivitäten von 1.000 europäischen Universitäten und 50 öffentlichen Forschungseinrichtungen über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Monaten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der erfolgreichen Gründungen pro 100 Millionen Euro Budget stark variiert, und zwar zwischen 1 und 80. Würden alle europäischen Universitäten die Effizienz der besten 10 Prozent erreichen, könnten innerhalb der nächsten zehn Jahre über 445.000 zusätzliche Start-ups entstehen. Dies hätte das Potenzial, mehr als 13 Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen, die Wirtschaftsleistung um über 5 Billionen Euro zu steigern und einen zusätzlichen Unternehmenswert von über 9 Billionen Euro sowie mehr als 1,5 Billionen Euro an Steuereinnahmen zu generieren.
Regionale Unterschiede und die Position Deutschlands
Im Ländervergleich platziert sich Deutschland im unteren Mittelfeld der 36 untersuchten Länder und Regionen. Pro 100 Millionen Euro Budget werden in Deutschland durchschnittlich 9,7 Gründungen verzeichnet. An der Spitze der Rangliste liegt Andorra mit 52,2 Gründungen, gefolgt von den baltischen Staaten und Frankreich. Für die Analyse wurden in Deutschland 143 Hochschulen und 9 Forschungseinrichtungen berücksichtigt.
Jörn Block, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Trier und Mitwirkender an der Studie, weist darauf hin, dass der Zugang zu Frühphasenkapital in Deutschland durch staatliche Stipendien relativ gut sei. Die Herausforderung liege jedoch im Wachstumskapital. Dies könne dazu führen, dass Gründer ihre Vorhaben aufgeben oder ins Ausland abwandern, insbesondere im Biotech-Sektor, wo viele Talente in die USA ziehen. Im Gegensatz dazu sei in England der Zugang zu Wagniskapital einfacher. Des Weiteren seien in Großbritannien technologische Forschung und Universitätsökosysteme stärker miteinander verzahnt, was den Weg für Studierende als potenzielle Gründer verkürze. Als positive Beispiele werden hierbei die Universitäten Oxford und Cambridge genannt.
Faktoren für erfolgreiche Gründungen
Die Untersuchung identifiziert bestimmte Muster und Faktoren, die Gründungen begünstigen:
- Business Schools als Vorreiter: Nicht überraschend sind Business Schools besonders erfolgreich bei der Generierung von Start-ups, da sie angehende Unternehmer gezielt ausbilden.
- Größe und Effizienz: Michael Brehm, Gründer von Redstone, bemerkt, dass größere Einrichtungen tendenziell ineffizienter werden können. Öffentliche Forschungseinrichtungen schneiden in dieser Hinsicht vergleichsweise schlecht ab.
- Geld, Vorbilder und Ausbildungsstrukturen: Die Technische Universität München wird als Vorbild genannt, da sie unter den großen Universitäten einen der vorderen Ränge belegt. Hier werden finanzielle Unterstützung, Kontakt zu erfolgreichen Vorbildern und etablierte Ausbildungsstrukturen geboten. Zudem wird Gründertum aktiv beworben.
- Mentalitätswandel statt nur Kapital: Investor Brehm vertritt die Ansicht, dass ein Mentalitätswandel hin zu mehr unternehmerischem Denken im Studium und an den Universitäten wichtiger sei als bloße Kapitalzufuhr. Er betont, dass unternehmerisches Denken auch für Nicht-Gründer zunehmend relevant werde und sogar Studiengänge wie Philosophie im Kontext der Mensch-Maschine-Interaktion eine hohe Relevanz für Gründungen erhalten könnten.
Methodik der Untersuchung
Die Autoren der Studie nutzten für ihre Analyse Profile des berufsorientierten Netzwerks LinkedIn sowie Daten der Website Dealroom, einer Datenbank für Gründungen und Innovationen. Es wurde zwischen zwei Kategorien von Gründungen unterschieden:
- Gründungen, die direkt aus Universitäten und öffentlichen Forschungsinstituten hervorgehen, einschließlich Gründungen von aktuellen und ehemaligen Forschenden und Lehrenden.
- Gründungen, die von aktuellen und ehemaligen Studierenden initiiert wurden.
Der Großteil der knapp 50.000 untersuchten Firmengründungen entfiel auf die zweite Kategorie, während nur etwa 2.000 Gründungen direkt auf Forschende und Lehrende zurückzuführen waren. Schätzungen zufolge entwickelten sich rund 23.000 dieser Gründungen zu wirtschaftlich tragfähigen Start-ups.
Fazit und Ausblick
Die Untersuchung verdeutlicht das beträchtliche, aber noch nicht vollständig ausgeschöpfte Potenzial europäischer Universitäten als Motoren für die Wirtschaft. Durch gezielte Förderung unternehmerischen Denkens, verbesserte Zugänge zu Wachstumskapital und eine stärkere Integration von Forschung in Startup-Ökosysteme könnten Hochschulen einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Steigerung der Wirtschaftsleistung leisten. Die Notwendigkeit eines Mentalitätswandels und struktureller Anpassungen wird als entscheidend für die Realisierung dieser Potenziale betrachtet.
Bibliography:
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- finanznachrichten.de. (2026, May 27). 13 Millionen Jobs möglich: Wie Unis in Europa zu Gründungsmotoren werden könnten. Abgerufen von https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026-05/68601943-13-millionen-jobs-moeglich-wie-unis-in-europa-zu-gruendungsmotoren-werden-koennten-397.htm
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- Business Punk. (2025, July 1). Europas Billion-Euro-Chance: Wie Universitäten zum Startup-Motor werden können. Abgerufen von https://www.business-punk.com/startup/europas-billion-euro-chance-wie-universitaeten-zum-startup-motor-werden-koennen/
- Die Deutsche Wirtschaft. (2025, October 29). Hochschulen leisten zu wenig für unser Wirtschaftswachstum. Abgerufen von https://die-deutsche-wirtschaft.de/hochschulen-leisten-zu-wenig-fuer-unser-wirtschaftswachstum/
- Schwarzwälder Bote. (2026, May 27). Hochschulen: Untersuchung: Deutschland hinkt bei Uni-Start-ups hinterher. Abgerufen von https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.hochschulen-untersuchung-deutschland-hinkt-bei-uni-start-ups-hinterher.23e6d588-0fb1-44bf-b94d-f7548ba73fca.html
- Volksfreund. (2026, May 27). Untersuchung: Deutschland hinkt bei Uni-Start-ups hinterher. Abgerufen von https://www.volksfreund.de/nachrichten/wirtschaft/untersuchung-deutschland-hinkt-bei-uni-start-ups-hinterher_aid-148934221
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